Predigt von Dave Ohnemus · 26. Oktober 2026
In dieser Predigt geht es um die radikale Kraft der Auferstehung Jesu. Es ist nicht nur ein historisches Ereignis, sondern eine Einladung, dem lebendigen Gott heute zu begegnen, der neues Leben in unsere verstaubten und toten Lebensbereiche hauchen möchte.
Teil der Serie Die Biografie
Bibelstellen: Markus 16,1-6, 1. Korinther 15,5-8, 1. Korinther 15,12-19, Johannes 10,18, Hesekiel 37, 1. Mose 2,7
«Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um den Leichnam Jesu zu salben. Und ganz früh am ersten Wochentag kamen sie zum Grab, als die Sonne gerade aufging. Unterwegs fragten sie sich noch: Wer kann uns wohl den Stein vom Grabeingang wegrollen? Doch als sie aufblickten, sahen sie, dass der schwere Stein schon weg war. Sie gingen in die Grabkammer hinein und sie sahen dort einen jungen Mann in einem weissen Gewand sitzen und die Frauen erschraken sehr, aber er sagte zu ihnen: Habt keine Angst. Ihr sucht Jesus aus Nazareth, den Gekreuzten. Er ist nicht hier. Gott hat ihn von den Toten auferweckt.» (Markus 16,1-6)
Ich bete und danke dir, Jesus, dass wir heute Abend zu dir reden dürfen als dem, der von den Toten auferweckt worden ist. Du lebst, du sitzt zur Rechten Gottes, du bist der König aller Könige und der Herr aller Herren. Du hast den Tod überwunden und sprichst Leben. Danke, dass wir zu einem lebendigen Gott beten dürfen. Ich bitte dich, dass du dich zeigst – nicht unter den Toten, sondern unter den Lebendigen. Zeige dich als der, der das Grab leer gelassen hat, der lebt, rettet, Würde und Hoffnung zuspricht, Zerbrochenes heilt und Kaputtes wieder aufrichtet. Geist Gottes, ich bitte dich, dass du mit der Kraft wirkst, die Tote zum Leben erweckt. Amen.
Es ist eine unglaubliche Kraft in diesem 16. Kapitel des Markusevangeliums. Wir reden heute Abend über grosse Themen wie Leben und Tod. Auch wenn wir alle noch jung sind und den Tod noch nicht vor uns haben, ist er eine Realität. Ich bin in den letzten Jahren oft dem Tod begegnet, sass an Sterbebetten und habe gemerkt: Der Tod ist real, er ist nicht schön und nicht natürlich. Aber Jesus hat den Tod überwunden und besiegt.
Es gab einmal einen alten Mönch in einem Kloster. Er hatte Jahrzehnte in Einsamkeit und Abgeschiedenheit verbracht, auf vieles verzichtet, keine Familie gegründet und viele Stunden im Gebet verbracht. Er wurde gefragt: Was wäre, wenn du am Ende deines Lebens stirbst und realisierst, dass es Gott gar nicht gibt? Dass der ganze Glaube eine einfache Lüge ist, das Universum aus Zufall entstand und der Tod endgültig ist? Der Mönch antwortete, dass das christliche Leben an sich etwas Wunderbares sei. Selbst wenn es Gott nicht gäbe, wäre sein Leben nicht verschwendet und nicht verloren gewesen.
Das klingt vielleicht gut, aber ich glaube, es ist dumm. Der christliche Philosoph Blaise Pascal hat es im 17. Jahrhundert anders ausgedrückt: Wenn du an Gott glaubst und es gibt ihn nicht, hast du nichts verloren. Wenn du an ihn glaubst und es gibt ihn, hast du alles gewonnen. Wenn du aber nicht an Gott glaubst und es gibt ihn doch, dann hast du alles verloren.
Was wäre also, wenn der Glaube an Jesus nur eine einzige grosse Lüge wäre? Was wäre, wenn wir morgen aufwachen und die Schlagzeilen lesen: Überreste von Jesus von Nazareth gefunden? Wenn man ein Grab in der Nähe von Jerusalem öffnen würde und Knochen mit Löchern von Nägeln an Händen und Füssen fände? Was wäre, wenn Jesus am dritten Tag eben nicht aus dem Grab auferstanden, sondern tot geblieben wäre? Wäre das nicht so schlimm, weil wir trotzdem ein gutes Leben geführt hätten?
Der Apostel Paulus stellt sich im ersten Korintherbrief genau diese Frage. Er schreibt: Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unsere Predigt wertlos und euer Glaube nutzlos. Und weiter sagt er: Wenn der Glaube an Jesus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, dann sind wir die bemitleidenswertesten Menschen auf der Welt.
Das ist eine ganz andere Antwort als die des Mönchs. Paulus sagt: Wenn das nicht stimmt, ist es eine Dummheit und wir sind bemitleidenswert. Warum denkt Paulus so extrem darüber? Der Grund liegt in seiner Leidensgeschichte. Er war mehrmals im Gefängnis, wurde fünfmal ausgepeitscht, dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt, erlitt dreimal Schiffbruch und war oft in Gefahr, in Hunger, Durst und Kälte.
Paulus sagt damit: Wenn das mit Jesus nur eine Lüge wäre, hätte mein Leben anders ausgesehen. Er war ein gut ausgebildeter Zeltmacher. Er hätte grosse Luxuszelte bauen, ein schönes Leben führen und all dieses Leid um jeden Preis vermeiden können. Er hätte ein achtsames, religiöses Leben führen können – ein gesundes und glückliches Leben, wie es heute die Ambition der meisten Menschen ist.
Aber bei Paulus lief nichts in Richtung Luxus und einfaches Leben. Er nahm Gefängnis, Hass und Widerstand auf sich. Im Jahr 64 kniete er auf dem Boden, und auf die Frage, ob er Jesus als den Auferstandenen bekenne, sagte er: Ja, er lebt. Daraufhin schlug ihm das römische Schwert den Kopf ab. Warum das alles? Weil Paulus sich zu hundert Prozent sicher war, dass Jesus lebt. Er wusste, dass es kein Grab mit den Knochen von Jesus gibt. Er wusste, dass Jesus Gott ist, der in die Welt gekommen ist, der König der Könige, der lebt.
Gehen wir noch einmal zurück zu diesem Grab. Es ist früh am Morgen. Die beiden Marias und Salome gehen zum Grab. Sie erwarten kein leeres Grab, sondern den toten Jesus, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Es ist bemerkenswert, dass es drei Frauen sind. Die Männer sassen voller Angst in einem verschlossenen Raum. Diese drei Frauen machen sich in der Dunkelheit auf den Weg und werden zu den ersten Zeuginnen des auferstandenen Jesus.
Sie kommen zum Grab, der Eingang ist offen, und drinnen sitzt ein junger Mann in einem weissen Gewand. Er sagt zu ihnen: Habt keine Angst. Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier.
Ich wünsche mir für uns heute, dass wir nicht nach dem Gekreuzigten, sondern nach dem Auferstandenen suchen. So viel Glaube bleibt tot, weil die Begegnung mit Jesus fehlt. Man läuft wie auf einem Friedhof herum und glaubt an historische Details, aber alles bleibt leblos, weil man bei den Toten sucht und sich nicht auf den Weg macht, dem Lebendigen zu begegnen. Genau das möchte Jesus aber: Er möchte sich dir zeigen.
Nach der Auferstehung zeigte sich Jesus ganz verschiedenen Personen: Maria Magdalena, den Emmausjüngern, den elf Aposteln, dem zweifelnden Thomas und später auch Paulus. Paulus schreibt dazu:
«Jesus wurde nämlich von Petrus gesehen und dann von den zwölf Aposteln. Danach sahen ihn mehr als 500 seiner Anhänger auf einmal, von denen die meisten noch leben. Als Letzter von allen habe auch ich ihn gesehen.» (1. Korinther 15,5-8)
Diese Begegnung auf der Strasse nach Damaskus, als ein helles Licht ihn blendete und Jesus zu ihm sprach, veränderte sein ganzes Leben. Eine solche Begegnung mit dem lebendigen Jesus ist entscheidend. Ich erinnere mich gut an mein erstes Lehrjahr als Konstrukteur. Ich sass im Büro, hatte wenig zu tun und las einen Text von Pastor David Wilkerson über das Thema Freiheit. Während des Lesens passierte etwas: Ich spürte eine Präsenz im Raum. Es war, als ob Jesus selbst an meinen Arbeitsplatz kam. Ich kämpfte mit den Tränen und es war, als ob er neben mir stand und sagte: Ich habe die Tür aufgemacht. Du bist frei. Steig in das freie Leben ein, das ich für dich habe. Du bist frei von Sünde, Schuld und Scham. Das hat mich überwältigt und nachhaltig verändert.
Der einzige Grund, warum die Apostel und Paulus ihr Leben für diese Botschaft hingaben, ist, dass sie Jesus begegnet sind. Sie waren sich zu hundert Prozent sicher, dass das Grab leer ist und er lebt. Wenn du nur auf den gekreuzigten Jesus schaust, aber den lebendigen nicht erkennst, bleibt dein Glaube leer. Ich wünsche mir, dass du heute aus einem leblosen Glauben ausbrechen kannst und erlebst, wie Jesus zu dir kommt. Bei Maria reichte es, dass er ihren Vornamen sagte, und sie wusste, wer vor ihr stand.
Die Auferstehung von Jesus fordert eine Entscheidung. In Johannes 10,18 sagt Jesus, dass er sein Leben gibt und es wieder an sich nimmt. Das hat er für dich und für mich getan. Er hat den Tod überwunden. Der Tod ist eine Realität, die wir alle einmal erleben werden. Er ist etwas Zerstörerisches in dieser Welt. Aber wenn wir von der Auferstehung Jesu reden, dann reden wir nicht nur davon, dass er ins Leben zurückgekehrt ist, sondern dass er auch dich ins Leben zurückbringt. Dass du in Ewigkeit lebst, aber auch heute schon echtes Leben hast.
Im Buch Hesekiel, Kapitel 37, gibt es das Bild von einem Tal voller toter, verstaubter Knochen. Der Geist Gottes fragt den Propheten, was er sieht, und fordert ihn auf, Wahrheit über diese Knochen auszusprechen. Da ruckeln die Knochen zusammen, Muskeln und Fleisch wachsen darüber. Es entstehen Körper, aber sie sind noch leblos. Dann sagt der Geist Gottes: Sprich den Atem Gottes über diese Toten aus. Hesekiel tut es, und der lebendige Hauch Gottes kommt in sie, und sie stehen auf als ein grosses, lebendiges Heer.
Wenn wir von der Auferstehung reden, dann ist das der Atem Gottes, der in eine tote Welt zurückkehrt. Schon ganz am Anfang, bei Adam und Eva, hat Gott dem Menschen seinen Atem eingehaucht, und er wurde eine lebendige Seele. Genau das passiert bei der Auferstehung: Jesus haucht seinen Geist aus und bringt dich zurück zum Leben. Das geschieht in dem Moment, in dem du Jesus im Glauben annimmst.
Gott möchte seinen Geist wieder in diese Welt blasen, wo so vieles am Boden liegt. Er möchte dich und mich gebrauchen, um wieder Leben zu bringen. Vielleicht bist du heute hier und merkst, dass in deinem Leben vieles am Boden liegt. Vielleicht kämpfst du mit Hoffnungslosigkeit, mit Zukunftsangst oder mit dem Gedanken an den Tod. Vielleicht kennst du Jesus noch gar nicht.
Wenn das auf dich zutrifft, dann gib dir während des Gebets selbst ein Zeichen: Leg die Hand aufs Herz, steh auf oder geh auf die Knie und sag: Jesus, ich möchte, dass dein Leben in mich kommt. Ich brauche diesen Geist, der Leben schafft. Oder vielleicht merkst du, dass du Jesus einfach wieder einmal neu begegnen musst. Er möchte deinen Namen aussprechen und dir realer begegnen als die Person, die gerade neben dir sitzt. Sprich dieses Gebet für dich: Jesus, bitte begegne mir. Ich will nicht bei den Toten suchen, sondern dem Lebendigen begegnen.
Jesus, du siehst, wer heute hier ist. Wenn sich das eigene Leben wie verstaubte Knochen anfühlt und der Blick in die Zukunft leblos, hoffnungslos und voller Angst ist, dann bitte ich dich, dass die Kraft der Auferstehung jetzt anbricht. Heiliger Geist, ich bitte dich, dass du Leben schaffst, dass du eine neue Schöpfung hervorbringst und das, was tot ist, ins Leben zurückrufst.
Danke, Jesus, für deine Gedanken des Lebens, der Zukunft und der Hoffnung über jeder einzelnen Person hier. Danke, dass du der Schöpfer von Himmel und Erde bist. Du bist in diese Welt gekommen, hast unser Leben gelebt, bist für unsere Schuld und Scham gestorben und hast den Tod überwunden. Ich bitte dich, dass heute Abend neue Visionen sichtbar werden. Berühre die Menschen hier mit einem neuen, radikalen und heiligen Leben mit dir. Lass uns dein strahlendes Angesicht voller Freude sehen. Amen.